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 Kapitel 1

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BeitragThema: Kapitel 1   Fr Nov 04, 2016 11:45 pm

Kapitel 1

12.03.2016

Die Nacht war lang gewesen. Sie wusste nicht, wann sie zu Hause gewesen war, aber vor zwei Uhr morgens war es garantiert nicht gewesen. Ihre Eltern erlaubten ihr zum Glück schon seit genau zwei Jahren, dass sie so lange wegbleiben konnte, wie sie nur mochte. Sie wusste, es hörte sich eigenartig an, wenn man glauben würde, sie wäre erst sechzehn Jahre alt oder so etwas in der Richtung. An diesem Tag war es der zwölfte März 2016 und somit auch ihr Geburtstag, genauer gesagt ihr neunzehnter Geburtstag. Seit genau einem Jahr ist sie nun volljährig und ihrer Meinung nach fühlte es sich gut an, älter und reifer zu werden und auch zu sein. Vor allem, wenn ihre Eltern ihr jetzt alles erlaubten. Natürlich musste sie nun für die ganzen versicherungstechnischen Angelegenheit aufkommen, wie mit der Sache mit dem Auto vor einem halben Jahr. Sie war mit dem Auto ihres Vaters in das Auto eines anderen Mannes gefahren. Etwas großes war nicht passiert, doch die paar hundert Dollar, die sie als Schadensersatz zahlen musste, waren auf einmal weg. Da sie nun neunzehn Jahre alt geworden ist, feierte sie rein und lud all ihre Freunde ein, die sie hatte und die konnten. Sie hatten viel Spaß und für sie, dem Geburtstagskind, war es super. Sie liebte es mit ihren Freunden zu feiern, besonders Geburtstage. Als sie endlich bei ihr zu Hause ankamen, waren alle entweder angetrunken oder komplett besoffen. Zu deren Glück waren ihre Eltern für diese Nacht ausgewandert und hatten nur ihre beiden Geschwister hiergelassen. Eigentlich hatten sie geplant noch bei ihr zu Hause Party zu machen, aber durch den ganzen Alkohol waren sie zu ausgepowert und fielen sofort alle ins Bett beziehungsweise auf die Couch oder den Matratzen.

Jetzt stand ich endlich mal wieder auf und ging zu meinem Schrank. Ich holte mir eine dunkelgrüne Chiffonbluse und eine löchrige Skinnyjeans heraus. Ein Blick auf die Uhr, die auf meinem Nachttisch stand, verriet mir, wie spät es bereits war – drei Uhr am Nachmittag. Ich schloss meine Augen und legte meine linke Hand an meine Stirn. Sie schmerzte. Ihr verdankte ich meine starken Kopfschmerzen. Oder war es doch eher der Alkohol, den ich letzte Nacht in mich hineingeschüttet hatte. Ein Cocktail weniger hätte schon gereicht, damit ich diese starken Kopfschmerzen nicht haben musste. Doch wie der Körper es so wollte, musste ich ins Badezimmer gehen und nach Aspirin suchen, was ich zum Glück schnell fand.

Unser Badezimmer war nicht allzu groß, es war eher klein und niedlich, und reichte für unsere Familie aus. Schließlich ist mein Bruder Christopher, genannt Chris, schon vor einigen Jahren ausgezogen, weshalb Renee und ich uns zum Glück nicht immer länger als nötig warten mussten, bis er hinauskam. Um genau zu sein, mussten wir seit diesem Tag an, an dem Chris ausgezogen ist, eine halbe Stunde länger schlafen und weniger warten.

Ich war nun komplett angezogen, mit Aspirin vollgedröhnt und etwas nüchterner als vor wenigen Minuten. Schnell kämmte ich mir meine dunkelbraunen, langen Haare, trug mir einen dunklen Lippenstift auf und verließ das Badezimmer wieder. Gerade wollte ich zurück in mein Zimmer gehen, als mein Magen anfing zu rumoren und beschloss erst zu essen bevor ich meine Schulsachen für den morgigen Tag packen ging.
Die Tür von meinem Zimmer öffnete ich, trat langsam in den Flur ein und ging weiter in die relativ große Küche, die sich direkt neben dem Wohnzimmer befand.  Die Küche war schlicht eingerichtet und sofort steuerte ich auf den Kühlschrank zu, den ich öffnete und ein Tetrapack Milch hinaus holte, diesen auf den Esstisch legte und mich einer Schüssel sowie den Cornflakes bediente. Es fühlte sich gut an endlich wieder etwas frisches im Magen zu haben. Nachdem ich gefrühstückt hatte, packte ich schnell meine Sachen und machte mich allmählich auf den Weg zur Schule.

Der Weg war zwar nicht kurz und mit dem Schulbus schnell zu erreichen, aber dennoch mochte ich es zur Schule zu gehen, was in meinem Alter eigentlich nicht wirklich normal war. Denn wer ging schon freiwillig zur Schule wenn man einen weiten Weg hat und somit früher aufstehen muss?
Eigentlich kaum einer, aber aufgrund dessen, dass ich von meinen Eltern dazu gedrillt wurde, gute Noten zu schreiben und gut in der Schule zu sein. Was natürlich bedeutete, dass ich zur Schule gehen und jeden Tag anwesend sein muss. Anstrengend war es, das ist klar, aber dennoch mache ich es.
Langsam rollte der Bus die Auffahrt zur Schule hinaus und hielt bei einer der Bushaltestellen an. Ich schnappte mir meine Tasche, erhob mich von meiner Bank am Ende des Busses und trottete hinaus.


Das große Gebäude der Nishka High School ragte vor meinen Augen in die Höhe. Man möge es nicht glauben, aber es war eine der größten High Schools im Umkreis von fünfzig Kilometern. Wie viele Schüler hier zur Schule gingen, wusste ich nicht genau, aber es waren sicherlich um die zweieinhalbtausend Schüler, die die rundert hundertsiebzig Lehrer beschäftigten. Hier Lehrer zu sein, stellte ich mir anstrengend vor. Von Strebern bis Rebellen gab es hier alle Arten von Schülern und Cliquen und zum Glück gehörte ich zu den noch relativ normalen unter uns.

Mit meiner grauen Schultasche stand ich noch immer vor dem großen, rotbraunen Gebäude, was vor vielen hundert Jahren noch als Residenzschloss eines Königspaares hantierte, das mit anderen Königspaaren in Amerika regierte beziehungsweise unser Land teilte – so meinte es unsere Geschichtslehrerin immer.
Kurz schob ich die Tasche wieder an den richtigen Fleck auf meiner Schulter und ging los. Die Stufen zum Eingang waren zum Glück nicht so viele, denn jeder Schüler wäre hier dann mindestens dreimal umgeklappt, um die Treppe zu erklimmen, deren Stufen schon so hoch genug sind.
Nachdem ich die Treppe geschafft hatte, trat ich durch die Tür meiner Schule und stand nun in der überfüllten Eingangshalle. Gemeinsam mit meinen Ellenbogen schlug ich mir einen Weg zu meinem Spind frei, der sich knapp fünfhundert Schüler entfernt von mir befand. Ich hasse es, wenn niemand Platz für irgendwen machte, selbst die Lehrer durften sich einen Weg erschlagen. Nach wenigen Metern stand ich endlich vor meinem Spind, öffnete die Tür, die mit einem Zahlenschloss gesichert war, und holte die Unterrichtsutensilien für den Geschichtsunterricht heraus.

Geschichte gehörte mit zu meinen Lieblingsfächern, obwohl Biologie noch immer alles übertrumpfte. Wer mochte dieses Fach denn etwa nicht? Okay, selbst ich muss beim Sezieren den Raum verlassen, aber ansonsten gibt es kein besseres. Es war ganz egal was es für ein Fach war, ob Kunst, Theater, Englisch oder eben Geschichte, nichts mochte ich mehr als Biologie. Warn das liegt? Keine Ahnung.
Während ich über alles nachdachte, ging ich die Flure entlang und blieb schlussendlich an der Zimmertür stehen. Sie bestand aus Ebenholz und stach gemeinsam mit den ganzen anderen Türen von den Wänden hervor. Diese waren in einem Weißton gestrichen, den man noch nie zuvor gesehen hatte. Es hatte etwas an sich, aber was es war, konnte man nicht genau sagen. Die Türklinke funkelte in einem hellen Silber und man erkannte Dank des Staubes die ganzen Finger, die sie mal angefasst hatten. Auch ich legte meine rechte Hand auf die Klinke, mit der linken ging es nicht, da ich mit dieser meine Geschichtshefte und das Buch festhielt, und drückte sie hinunter.

Komischerweise saßen all meine Kurskameraden schon im Raum und blickten zu mir, als ich in den hellen, cremefarbenen Raum trat. Aufgrund dessen, dass mein Sitzplatz sich recht weit hinten und am Fenster befand, ging ich durch den langen Gang nach hinten.
Meine Schuhe machten auf dem schwarzen Packettboden zwar Geräusche, aber wegen der Lautstärke des Geredes hörte man es nicht. Leise setzte ich mich hin und legte mein Buch und meine Hefte auf den Tisch. Kaum ein paar Sekunden später kam Noelle zu mir und begab sich auf den Stuhl neben mir.

„Ich dachte, du wolltest früher kommen, oder warst du noch etwas fertig von Samstagnacht?“, fragte sie mich und ich schüttelte einfach mit dem Kopf. „Kein bisschen, aber draußen auf den Fluren ist es viel zu voll um dort innerhalb von einer Minute da durchzuhuschen. Das ist einfach unmöglich“, ich machte eine kurze Pause, „Aber falls es dich beruhigt – ich habe die Hausaufgaben ausnahmsweise dabei und anstatt in der Schule zuhause gemacht.“ Beim letzten Satz musste ich einfach zwinkern. Nun schwiegen wir. Noelle hatte nichts mehr zu sagen, genauso wie ich. Minuten vergingen und wir saßen einfach nur da und lauschten dem Chaos, das im Raum herrschte.

Auf einmal wurde die Tür geöffnet und Miss Castillo, eine Latina, und zeitgleich unsere Geschichtslehrerin, kam herein, schloss die Tür hinter sich und stellte sich vor die Klasse, wobei sie ihre Kaffeetasse auf den Lehrerpult vor ihr und ihre Tasche direkt neben dem Tischbein stellte. Mit ihren braunen Augen starrte sie uns an und schien leicht nervös zu sein.
„In ein paar Minuten wird eine neue Mitschülerin kommen. Bitte seid nett zu ihr und helft ihr sich hier integrieren zu können. Sie ist ohne ihre Familie nach Nishka gekommen und ist somit alleine, das heißt, sie braucht Freunde, mit denen sie ihre Zeit hier herumschlagen kann“, meinte Miss Castillo, während sie uns anlächelte.
Kurze Zeit später klopfte es an der Tür und sie öffnete sich. Ein Mädchen mit hellbraunen Haaren und blaugrünen Augen streckte ihren Kopf in unser Klassenzimmer, fing an zu lächeln, öffnete die Tür noch weiter und trat komplett zu uns hinein. Ihr Anblick widerte mich irgendwie an. Ich weiß, dass man von Fremden gegenüber keine Vorurteile haben darf oder sollte, da man diese erstmal richtig kennenlernen sollte. Aber ihr komplettes Auftreten war schon fast zu arrogant.
Ich mochte solche Personen nicht, egal wer es war – sei es eine einfache Person oder ein Sternchen, das überall, also international, bekannt war.

Ich verdrehte meine Augen als sie jeder Willkommen hieß. Ich ließ es wiederum. Wieso sollte ich sie begrüßen und somit etwas vermitteln, was ich gar nicht bin? Aber schließlich war es ja meine Entscheidung, wie ich mich als erstes präsentieren will. Zumindest lehnte ich mich zurück, verschränkte meine Arme vor meiner Brust. Mit meinen braunen Augen betrachtete ich sie von oben nach unten und wieder zurück. Sie war eigenartig, mir schien es als würde sie nicht in diese Welt passen. Ihre Körperhaltung war zu gerade, ihr Blick zu fromm – wir waren eher lockerer drauf - , ihr Gang war zu perfekt.

Das fremde Mädchen blieb bei Miss Castillo stehen und begrüßte sie. Unsere Lehrerin nickte als die Braunhaarige etwas zu ihr sagte. Ich stütze aus Langeweile meinen Kopf auf meine Hand und sah unmotiviert nach vorne. Warum mussten die neuen Schüler auch immer in meinen Kurs kommen? Daraus entwickeln sich doch keine Vorteile, eher Nachteile, vor allem weil sie sich hier wieder integrieren und Freunde finden müssen.
Nun kam die Braunhaarige zum Sprechen und fing an sich vorzustellen. „Hey! Eh ja, ich bin Katrice Hillington, komme ursprünglich aus San Francisco oder eher gesagt aus Pacifica, einer Stadt vor Cisco. Ehm, ich bin 20 Jahre alt und bin, wie ihr wahrscheinlich denken könnt, umgezogen weshalb ich jetzt in eurer Klasse bin.“ Kurz lächelte sie und ließ ihren blaugrünen Blick durch den Raum schweifen bevor sie mich erblickte. Katrice hielt inne, atmete deutlich ein und aus und wandte sich an Miss Castillo. „Wo darf ich mich setzen, Miss Castillo?“, fragte sie unsere Lehrerin. Innerlich hoffte ich, dass sie nicht zu mir gesetzt wurde – nicht zu Meadow Springsten und mir. Das würde ich niemals aushalten, besonders mit dem Charakter der Neuen. Während ich hoffte, schloss ich meine Augen und hörte auf zu atmen.

Es dauerte ein wenig bis meine Geschichtslehrerin entschied, wo Katrice sitzen sollte. „Setz dich nehmen Amélie. Sie ist das Mädchen dahinten am Fenster.“ Dabei zeigte sie auf mich und plötzlich spürte ich wie alle Blicke auf mich gerichtet wurden. Es war ein unangenehmes Gefühl, das in mir hochkam. Ich wusste nicht genau, was es war, aber es fühlte sich nicht gut an.
„Kennst du sie etwa?“ Mein Kopf drehte sich links zu Meadow, die sich gerade eine ihrer schwarzen Strähnen hinter ihr rechtes Ohr strich und mich gerade etwas gefragt hatte. „Nein, wieso?“ Ich runzelte meine Stirn. „Sie hat dich eben so komisch angeguckt. Hätte ja sein können, dass ihr euch kennt.“
Wie kam sie nur darauf, dass wir uns kennen würden? Mit so einer Person hätte ich mich nie abgegeben. Aber das war eben typisch Meadow. Sie erfand immer Geschichten, die so gar nicht stimmten. Genauso wie diese neuste Geschichte mit Katrice und mir. Es war schon schlimm genug, dass sie jetzt neben mir sitzen musste.
„Hey, darf ich mich setzen?“, fragte mich eine weibliche Stimme und sofort verdrehten sich meine Augen. Trotz allem nickte ich freundlicherweise und ließ Katrice sich setzen. „Du heißt Amélie? Hübscher Name.. Außergewöhnlich, wie ich finde. Weißt du, was wir in der nächsten Stunde haben?“, fragte mich die Neue die ganze Zeit und schon jetzt fing es an zu nerven. „Könntest du freundlich sein und mich in Ruhe lassen? Wir versuchen hier etwas zu lernen und deine Fragen gehen mir auf die Nerven!“ Mit diesen Worten atmete ich tief durch und wandte mich schließlich dem Geschichtsunterricht zu. Ein kurzer Blick zur Seite verriet mir, dass Katrice sich ebenfalls abwandte und höchstwahrscheinlich über etwas nachdachte.
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